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Schenute von Atripe De judicio finale

ISBN: 978-3-9524018-5-9

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Schenute von Atripe De judicio finale: Papyruskodex 63000.IV im Museo Egizio di Torino. Einleitung, Textbearbeitung und Übersetzung herausgegeben von Wolfgang Kosack. Berlin 2013 Taschenbuch – 15. Februar 2013

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75,00 €

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I. Die Geschichte des Kodex IV. Herkunft und Restaurierung des Kodex Der Papyruskodex Cat. 63000, IV des Museo Egizio di Torino ist ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil einer Papyrusbibliothek, die insgesamt 17 Kodizes umfaßt und wohl aus der Stadt This oder dem thinitischen Gau (bei Girgeh/Oberägypten) stammt.

Man kann vermuten, daß der Fund zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus dem dortigen koptischen Kloster Deir el-Malâk geborgen wurde. Die Kodizes dieser Klosterbibliothek kamen um 1820 aus der Sammlung Drovetti durch Kauf nach Turin. AMEDEO PEYRON erwähnt sie erstmalig 1835 im „Lexicon linguae Copticae“ in seinem Index: Papyrus Quartus Taurinensis, foliorum 95. Continet sermones morales, Sententiae Synodi Nicaeanae, tum Vitam Athanasii spuriam3 Pap. 4 Turin, 95 Bl. enthält moralische Reden, Sentenzen der Synode von Nikaia und dann einen Teil Leben des Athanasius.

Diese Angaben haben sich als unzureichend erwiesen, vermutlich, weil damals die Blätter noch nicht sorgfältig genug gesichtet worden waren. Sie sind aber offenbar noch in einigermaßen gutem Erhaltungszustand gewesen. Von der Autorenschaft Schenutes wußte Peyron noch nichts, und die irreführenden Angaben über die Canones von Nikaia und die Vita Athanasii sind ein Hinweis darauf, daß die Blätter oder Blattfragmente noch nicht den einzelnen Kodizes zweifelsfrei aufgrund ihrer Paläographie zugeordnet werden konnten. Diese Fehler hat auch Rossi in seiner Publikation nicht ausbügeln können, auch hier erscheinen sie –freilich auch andere Bruchstücke – als Bestandteile dieses Kodex IV.

Den gesamten Fund der Papyrusbibliothek beschreibt PEYRON wie folgt: Hic, aliique infra describendi Papyri in arca constipati ad nos ab Aegypto delati sunt, quam cum ego aperuissem, infandam vidi ac deploravi Papyrorum cladem. Maxima usus patientis in tractandis fragilibus foliis volumina quaeque, seu potius diversorum voluminorum fragmenta collegi, distinxi: quae subinde ab accurata manu agglutinata fuerunt supra chartam maxime tenuem ac pellucidam. Papyri omnes Sahidice sunt. Diese und die anderen unten noch zu beschreibenden Papyri erreichten uns aus Ägypten in einer Kiste zusammengepreßt. Als ich diese öffnete, sah ich die entsetzliche Verwüstung der Papyri und beklagte sie. Ich gebrauchte die größte Geduld bei der Handhabung der 2 Tito Orlandi. Les papyrus coptes du musée égyptien de Turin. in : Muséon 87 (1974),115 f 3 Peyron, Amedei. Lexicon linguae copticae. Taurini 1835, XXVI 4 Peyron, Lexicon, XXV-XXVI zerbrechlichen Blätter, und sammelte einige Bände, oder besser Fragmente verschiedener Bände zusammen und unterschied sie. Diese wurden bald darauf von einer geschickten Hand aufgeklebt auf Papier, das besonders dünn und durchsichtig war. Die Papyri sind alle sahidisch. Dieses Detail führte auch ROSSI an: Egli tolse colla massima cura dalla cassa, in cui erano malamente stipati, questi fragilissimi fogli… e fattili colla più grande diligenza incollare su fogli di leggera carta trasparente, li distributiva in sette grandi classi.5 Er entnahm sie mit größter Sorgfalt aus der Kiste, in der sie unglücklich zusammengepreßt waren, diese höchst zerbrechlichen Seiten... und nachdem er sie mit allergrößter Umsicht auf Blätter durchsichtigen Papiers geklebt hatte, teilte er sie in sieben große Kategorien ein. Das zeigt auf, daß schon 1835 durch „geschickte Hand“ Restaurierungsmaßnahmen an den Papyri vorgenommen wurden.

Bei diesen Maßnahmen darf man freilich nicht vergessen, daß der Papyruskodex ursprünglich ein Buch gewesen ist, das in Lagen gefaltet lose aufeinandergestapelt wurde oder durch Fadenheftung zu einem richtigen Buch gebunden war. Die gehefteten oder lose gestapelten Lagen waren in einem Einband gesammelt, der den Kodex von außen her schützte. Diese gefalteten Doppelseiten sind jedoch bei der Restaurierung, vermutlich schon 1835, auseinandergeschnitten worden. Dadurch ist der Zusammenhang der Kodexblätter zueinander und die ursprüngliche Gestalt des Kodex völlig verloren gegangen. Da die Seiten außerdem manchmal in zwei Stücke zerbrachen, ist die Zusammenführung des alten, ursprünglichen Zustandes schwierig. An keinem der Papyrusblätter ist wegen der Beschneidung erkennbar, ob die Doppelblätter nur gefaltet oder schon mit einem Faden geheftet zu einem Kodex gebunden waren. Die eigentlichen Konservierungsarbeiten bestanden darin, diese zerbrechlichen Seiten einseitig auf Seidenpapier zu kleben, die ausgefransten Ränder der Papyrusblätter zu beschneiden und den Papyrus auf der nicht beklebten Seite mit einer Schicht dünnen Firnis zu überstreichen, den ORLANDI auf Emailbasis hergestellt einschätzte.

In den dreißiger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Papyrusblätter des Kodex nach und nach vollständig verglast. 1979 und 1990 wurden einige Blätter neu verglast und dabei das Seidenpapier zurückgeschnitten. 6 Alle diese Restaurierungen haben dem Papyrus selbst mehr geschadet als genutzt. Der Kleister hat das Seidenpapier und den Papyrus selbst angegriffen und teilweise zum Schimmeln gebracht. Der Firnis ist stark nachgedunkelt und hat eine harzig dunkelbraune, körnige und teils glänzende Konsistenz angenommen, die Lesbarkeit der Schrift ist dadurch erheblich beeinträchtigt, da teilweise auch durch Ablösung des Überzuges die Schriftzeichen verwittern. Irgendwann sind auch einige Fragmente auf feine Gaze geklebt worden. Einzig die geringfügigen Fragmente, die wohl extra in einer Schachtel aufbewahrt gewesen sind, konnten dem Schicksal der Lackierung und des Aufklebens entgehen. Entsprechend sind die Schriftreste auf diesen Fragmenten deutlich besser lesbar als auf den Folien des Kodex.

Alles das führte zu dem Katalogeintrag: No. 7124 Codice copto su papiro, composto di 88 fogli, molto anneriti, ed in cattivissima stato, continenti sermoni morali7 Nr. 7124 Koptischer Kodex auf Papyrus, bestehend aus 88 Blättern, stark nachgedunkelt und in allerschlechtestem Zustand, enthält Moralische Reden